Angela HöhrPraxis für Physiotherapie

Reflektorische Atemtherapie

Die reflektorische Atemtherapie wurde von Dr. med. J. Ludwig Schmitt in den fünfziger Jahren ursprünglich als Atemtherapie (Atemheilkunst) entwickelt. Die Physiotherapeutin Liselotte Brüne erweiterte sie im Laufe von fast zwei Jahrzehnten zur physiotherapeutischen Behandlung und etablierte sie schließlich als Reflektorische Atemtherapie in der Krankengymnastik.

Unsere Atmung ist ein unwillkürlicher Vorgang, auch wenn wir sie bewusst beinflussen können. Die Art und Weise, wie ein Mensch atmet, spiegelt seine augenblickliche körperliche, seelische und geistige Verfassung. Jeder von uns hat schon bei Angst oder Schmerzen unwillkürlich zu atmen aufgehört oder nicht mehr so tief geatmet. Hier setzt die Reflektorische Atemtherapie, kurz RAT genannt, an. Sie will den natürlichen Atemreflex wiederherstellen, so dass die Zwerchfellatmung tiefer wird. Doch dazu muss die Funktionsfähigkeit der körperlichen Strukturen intakt sein. Atem- und Atemhilfsmuskulatur sowie das Bindegewebe müssen einen normalen Tonus haben. Deshalb werden die Strukturen in einer Behandlung durch gezielte Griffe, durch die bewußt Druck-, Schmerz- und Dehnreize gesetzt werden, je nach Bedarf entspannt, gedehnt oder tonisiert. Eingesetzt werden auch feuchtheiße Kompressen, die sogenannte modifizierte Heiße Rolle, und therapeutische Übungen.

Dadurch ergibt sich ein großes Spektrum von Behandlungsmöglichkeiten: obstruktive und restriktive sowie vegetativ-dysregulatorische Atemstörungen, orthopädische Erkrankungen, internistische Erkrankungen und Erkrankungen des Herzkreislaufsystems. Auch bei psychosomatischen Störungen kann die RAT helfen, denn die Regulation der Atmung kann sich positiv auf die Psyche auswirken. Wenn alte und einengende Atem- und Bewegungsmuster allmählich aufgelöst werden, kehrt der Mensch wieder zu seiner sogenannten "dreidimensionalen Atmung" zurück. Er verfügt dann über mehr Energie, findet zu einer neuen Haltung und erlebt eine neue Lebendigkeit. Er nimmt Empfindungen, Gefühle und Gedanken deutlicher und differenzierter wahr, und die neuartigen Erfahrungen und ihre Bedeutung können im therapeutischen Gespräch durchgearbeitet werden.

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